Alpha-Männchen

27.10.2014

  Basta-Führung hat ausgedient!

Ist das egozentrische Alpha-Männchen ein Auslaufmodell?

Bei ihm kann jeder tun und lassen, was er will. Wenn ein anspruchsvoller Kunde mit Auftrag lockt, so schickt er seinen besten Mann, er kommt selbst. Er hat das erste und letzte Wort, duldet kaum Widerspruch und straft in Ungnade gefallene Mitarbeiter mit Missachtung. Die Rede ist vom Alpha-Männchen, einer in den Führungsetagen nicht selten vorkommenden Spezies mit Macher-Image und Basta-Allüren.

Aktuell gibt es zahlreiche Anzeichen, dass das egozentrische Alpha-Tier bald ausgedient hat. So war einer der zentralen Programmpunkte auf der Messe „Zukunft Personal“ in Köln das Thema, wie Betriebe ihre Zusammenarbeit demokratischer organisieren, wie sie Führungskräfte und Mitarbeiter dabei mitnehmen können und welche Eigenschaften von einem zukünftigen Vorgesetzten erwartet werden.

Thomas Sattelberger, ehemaliger Telekom-Personalvorstand, hat bereits vor einem Jahr Thesen zur Zukunft von HR entwickelt. Eine davon lautet: Mitarbeiter werden 2023 „Unternehmensbürger“ sein, die ergebniswirksam über die Qualität von Führung abstimmen, also Vorgesetzte wählen oder abwählen.

In der Zeitschrift „Harvard Business Manager“ (Oktober 14) lesen wir, dass das machtbewusste Alphamännchen künftig als Auslaufmodell gilt: „Die Altrozentriker kommen“ – das Gegenmodell des Egozentrikers. Ein konservativer, auf Kontrolle aufbauender Führungsstil sei nicht mehr angesagt. Altrozentriker seien Manager der Zukunft, die nicht mehr nur auf ihren eigenen Machtzuwachs schielen, sondern andere stark machen. „Zu den unverzichtbaren Fähigkeiten einer altrozentrischen Führungskraft gehören daher Empathie, emotionale Reife, Integrität, Offenheit und hohe ethische Standards. Altrozentriker gewähren ihren Mitarbeitern größere Handlungsfreiheit und ermöglichen ihnen weitgehende Autonomie.“

Und es gibt erste Unternehmen, welche diese Führungskultur auch implementiert haben. So ist das IT-Unternehmen „Haufe-umantis AG“ dazu über gegangen, in jährlichen, firmeninternen Wahlen über die Besetzung der Geschäftsführung und der kompletten Führungscrew zu entscheiden. Bei „Unite“ (NL) wird darauf geachtet, dass die Kontrolle durch das Management reduziert, weniger Vorgaben von „oben“ erfolgen und die Mitarbeiter mehr Mitsprache erlangen, was sie wie tun sollen.

 

Im Jahre 2023 werden Menschen nicht mehr bereit sein, für Unternehmen zu arbeiten, deren Ziele sich nicht mit ihren individuellen Interessen, Bedürfnissen und Werten vereinbaren lassen. Thomas Sattelberger

 

  Emotionale Reife, Offenheit und ethische Standards erforderlich

Die Zukunft gehört den empatischen Führungskräften

Hier geht es nicht um Strickjackengemütlichkeit im Chefsessel oder Vorgesetzte, die einen Laisser-Faire-Stil pflegen. Zudem gibt es wirklich Entscheidungen, die durchgesetzt werden müssen, mitunter auch gegen den Willen der Mitarbeiter.

Was in vielen Unternehmen benötigt wird, sind Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter einbeziehen, die nachvollziehbare Strategien verfolgen, mutig entscheiden, und für die Folgen ihres Vorgehens einstehen. Persönlichkeiten, denen die Mitarbeiter auch in schweren Zeiten gerne folgen. Eine starke Führungspersönlichkeit muss kein egozentrischer Ichling sein. Die Frage ist, welche kulturelle Umgebung im Unternehmen herrscht. Werden bei Fehlern die Schuldigen gesucht oder wird den Ursachen nachgegangen? Wird mehr auf Macht gesetzt oder auf Einfluss? – das eine geschieht ohne die Zustimmung der Mitarbeiter, das andere bezieht die Mitarbeiter mit ein.

Dummy

Führen mit emotionaler Reife

Immer noch wird schlechte Führung toleriert, so lange die Zahlen gut sind. Immer noch werden Chefs akzeptiert, die ausschließlich mit Zahlen oder KPIs „führen“ und die sogenannten Soft Skills für eine verzichtbare Modeerscheinung halten , weil sie angeblich nicht messbar seien. Immer noch setzen sich in Unternehmen Alpha-Männchen, Patriarchen und Narzissten mit Y-Chromosomen gegenseitig außer Gefecht, und gefährden so eine erfolgreiche Zukunft.

Wenn in diesen Zeiten die Signale auf ein Ende der Basta-Führung hindeuten und der Zenit des Alpha-Männchens offenbar hinter uns liegt, so drückt sich hier ein Trend nach mehr Demokratie in Unternehmen aus, oder – wie Harvard Business Manager schreibt - ein Mega-Trend. Unternehmen tun gut daran, ihre Führungsphilosophie neu zu überdenken und diesen Wandel einzuplanen. Das wird zukünftig ein Wettbewerbsvorteil sein, denn von Mitarbeitern, die mit ihrem Job und ihrem Vorgesetzten zufrieden sind und sich loyal verhalten, kaufen die Kunden besonders gern. Den Wandel vom Alpha-Männchen zum „Altrozentriker“ zu gestalten, geht nur „von oben“- Jede Blume duftet vom Kopf her! (Wir lassen den Fisch mal beiseite). Das ist allerdings ein langer Prozess.

In zahlreichen Studien fällt die Bewertung von Führungskräften durch die Mitarbeiter schlecht aus. Daher dürfte es für viele sicherlich überraschend sein, wenn das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung und des Nürnberger Marktforschungsvereins GfK vom Juli dieses Jahres anderes heraus findet: Nahezu 1.300 Angestellte, Beamte und Arbeiter aus dem Bundesgebiet wurden befragt und sind mit ihrem direkten Vorgesetzten überwiegend zufrieden. Fast 80 Prozent beurteilten die Führungsqualitäten ihrer Chefs positiv und bescheinigten ihnen Fairness und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Macht. Jeder zweite Arbeitnehmer empfindet es besonders positiv, wenn ihnen genügend Freiraum eingeräumt, Kompetenzen gewürdigt und eigenverantwortliches Arbeiten gefördert werden. Ein Drittel der Befragten gab an, in wichtige Entscheidungen einbezogen zu werden.

Jede gute Veränderung hat irgendwo und irgendwann begonnen, bevor sie sich durchgesetzt hat.

 

Veränderungen begünstigen nur den, der darauf vorbereitet ist. Louis Pasteur

 

Kommentare

Gespeichert von Andreas Bullmann am/um
Ein hervorragender Artikel! Ich bin jedoch skeptisch, dass die Alphamännchen wirklich "verschwinden", dass sie weniger gefragt sind, ist überfällig.

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