An die Rechner, fertig, Weiterbildung

13.02.2014

  E-Learning auf dem Vormarsch

An die Rechner, fertig, Weiterbildung!

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen! Wer seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, bildet sich weiter, entweder im Rahmen einer betrieblichen Fortbildung oder auf Eigeninitiative. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!“ - diese „Weisheit“ hat ausgedient. Mittlerweile wissen wir, dass das Gehirn aufgrund seiner hohen Plastizität in der Lage ist, lebenslang zu lernen. Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass sich in den kommenden Jahren die Altersstruktur stark ändert. Auf der einen Seite werden etwa die Hälfte der Mitarbeiter über 50 sein, auf der anderen Seite beginnt die in den 1980er Jahren geborene „Generation Y“ ihre berufliche Laufbahn. Das heißt, „Digital Natives“, die gewohnt sind, ihre Informationen aus dem Internet zu beziehen und auf Web-Plattformen miteinander zu diskutieren, lernen mit älteren Kollegen in altersgemischten Gruppen. Zugleich werden in den nächsten Jahren die „Baby-Boomer“ vermehrt in den Ruhestand treten. Durch den Weggang eines Kollegen entsteht nicht nur eine persönliche Lücke, auch spezifische Kenntnisse und Erfahrungen verlassen das Unternehmen.

Aus Studien wissen wir, dass mehr als 40% des Wissens im Unternehmen ausschließlich in den Köpfen der Mitarbeiter existiert. Zu wenig Unternehmen sind darauf vorbereitet, beizeiten einen wirksamen Übergabeprozess bzw. eine „Wissensstafette“ einzurichten.

Es gibt also viel zu tun, und viele packen es auch an! Das Angebot an Lernmöglichkeiten ist riesig! Nicht mehr „Wissen ist Macht“, sondern Wissen für alle, an jedem Ort, zu jeder Zeit - das ist der unaufhaltsame Trend in der aktuellen Lernwelt! Wer heutzutage etwas lernen will, dem öffnet sich ein breiter Fächer an unzähligen Möglichkeiten: Neben dem klassischen Lernen in Bildungseinrichtungen gibt es Web-Based-Training, Virtuelle Klassenräume oder Online-Plattformen, demnächst Cloud-basiert. Die Akzeptanz elektronischer Medien nimmt kräftig zu und Mobile Learning ist eine Umsatz-Lokomotive.

Zusätzlich greifen immer mehr Unternehmen dazu, Lernen in kleinen Häppchen zu servieren. Sie bieten ihren Mitarbeitern Learning-Nuggets (Credit Suisse) oder „Learn-Snacks“, „Lern-SMS“ und „Learn-Apps“ an. Allen gemeinsam ist, das sie das Lernen in Kleinstportionen unterstützen, mit einer Bearbeitungszeit von oft nur wenigen Minuten. So weit so gut! Kritisch zu fragen ist, wie diese Wissenshäppchen eingesetzt werden und welchen Effekt sie erzielen.

Für den Körper gilt, wer kleine Portionen isst, nimmt ab. Gilt das auch für unser Gehirn? Und inwieweit kommt unser Denkorgan mit dieser kognitiven Magerkost zurecht? Seit tausenden Jahren verarbeitet unser Gehirn Informationen und packt sie ins Ultrakurzzeitgedächtnis, ins Kurzzeitgedächtnis und ins Langzeitgedächtnis. Damit das kurzzeitig aufgenommene Wissen langfristig verankert werden kann, müssen neue Eiweißmoleküle gebildet und Synapsen verstärkt werden, das beansprucht Zeit und geschieht - darauf deuten neue Untersuchungen - im Schlaf. Wer jedoch die geschrumpften Wissensbrocken in Multitasking-Aktivitäten einbettet, verhindert, dass die Informationen überhaupt langfristig verankert werden können. Neurowissenschaftler haben die „Theorie der zentralen Kapazität“ entwickelt. Demnach benötigt das Gehirn „Aufmerksamkeits-Ressourcen“, und die Kapazität dafür ist begrenzt. Wenn sie - was beim Multitasking der Fall ist - rasch ausgeschöpft ist, entstehen Fehler. Der Mensch gerät unter Stress, Cortisol wird ausgeschüttet, das Lernen ist blockiert. Wenn Micro-Learning - also Apps, „Nuggets“ oder „Snacks“ - zur Wiederholung oder Vertiefung anderweitig aufgenommener Informationen verwendet wird, könnte das den Lernerfolg fördern. Das setzt allerdings voraus, dass die Lerninhalte identisch sind. Mal so nebenbei zwischen Social-Media-Surfen und Angry-Bird-Spiel ein „Lern-Häppchen“ einwerfen, bringt nichts.

Das Lernen findet also zunehmend ohne Pult, Tafel und Kreide statt. „Wenn alles schläft und einer spricht, so nennt man dieses Unterricht“ - das stammt aus dem Nähkästchen der Großeltern. Heute nimmt die Funktion des Lehrers als zentrale Bezugsperson der Lernenden zwar ab. Trotzdem setzen viele, die lehren und lernen, auf Blended-Learning, also eine Kombination aus vernetztem E-Lernen und Präsenzschulung. Schließlich besitzt der Lernprozess auch eine soziale Komponente, und die lässt sich am Bildschirm wohl kaum erzeugen. Blended-Learning nimmt mittlerweile einen festen Platz in der betrieblichen Fortbildung ein.

Dummy

Austausch von Wissen

 

Wir werden zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugriff auf Wisssen haben. Peter Henning

 

Im Rahmen einer 2011 durchgeführten Studie von TNS-Infratest wurden HR-Manager zur Bedeutung mobiler Technologien in der beruflichen Weiterbildung befragt. Zwei bemerkenswerte Ergebnisse: Erstens: Immer mehr Personalverantwortliche setzen in der beruflichen Qualifizierung auf Smartphone, Touchpad oder Notebook. Lernen wäre so zeitlich und räumlich flexibel. Es könnten „unterwegs freie Zeitfenster“ genutzt werden, um den Lernprozess zu organisieren, an Chats und Foren teilzunehmen oder auf einen Online-Campus zu gehen. Zweitens: Nahezu 100% der Befragten halten es für wichtig oder sehr wichtig, dass in einem Lernprozess ein Lerntutor oder Lern-Coach zur Verfügung steht, damit Wissenslücken geschlossen werden können. Beruhigend zu erkennen, dass High-Tech-Learning die herkömmlichen Lernformen nicht verdrängt, sondern - meist sinnvoll - ergänzt.

 

Ich lerne noch. Michelangelo

 

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