Glück und Zufriedenheit

05.01.2016

  Gute Vorsätze zu Silvester

Glück gehabt? Zufrieden gewesen?

Gute Vorsätze gehören zum alljährlichen Silvesterritual: mehr bewegen, abnehmen, mehr „quality time“ mit den Kindern, weniger arbeiten, gesünder essen. Selten sind Entdeckerfreude, Gestaltungslust und Änderungsbereitschaft so ausgeprägt wie zu Jahresbeginn. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, dichtete Hermann Hesse. Doch diese Zeile ist durch maßlose Überbeanspruchung zum Klischee verdampft. Überhaupt werden Vorsätze selten gehalten, die Liste der verpassten Chancen wird immer länger und bei vielen wachsen die Zweifel an der Selbstkasteiung. Kurze Zeit später ist alles wie zuvor: Für die Fitness bleibt kaum Zeit, das Übergewicht will nicht schmelzen, die Kinder sieht man nur noch schlafend und die Überstunden nehmen zu. Wohl zu keiner anderen Jahreszeit gehört das Scheitern zur weit verbreiteten Kollektiverfahrung wie im Januar. Der innere Schweinehund ist ein treuer Begleiter! Wer ihn besiegen will, sollte sich z.B. nicht vornehmen, „ich will abnehmen“, sondern ein konkretes Ziel in einem erreichbaren Zeitraum nennen: Bis zum 28. Februar wiege ich xy Kilo. Etappenziele, für deren Erreichen man sich kleine Belohnungen gönnt, und die bildliche Vorstellung (die Hose passt wieder) fördern den Erfolg. Schwer umzusetzen sind Vorhaben, die man zuliebe eines anderen tut. Und wenn die Umsetzung nicht gelingt, wächst die Unzufriedenheit. Es bleibt der Trost: 2017 wird alles anders!

Ebenfalls rund um Silvester tauchen verstärkt „Glücksbringer“ wie der Schornsteinfeger oder das vierblättrige Kleeblatt auf. Zu ihnen gesellen sich zunehmend „Glücksforscher“ und Autoren, die in ihren Publikationen „Glück“ thematisieren. Gerade zum Jahreswechsel haben „Glücksthemen“ Hochkonjunktur. 

Dummy

Jeder ist seines Glückes Schmied!

Was ist Glück?

Glück und Zufriedenheit sind unterschiedliche Gefühle. Zufriedenheit stellt sich ein, wenn man innerlich ausgeglichen und einverstanden ist mit den gegebenen Verhältnissen, Umständen und Leistungen. Zufriedenheit ist demnach ein dauerhafter und langfristiger emotionaler Zustand. Das Gefühl von Glück hingegen ist meist von kurzer Dauer, z.B. wenn wir ein Ziel erreichen, eine frohe Botschaft erhalten oder eine freudige Überraschung erleben. Für eine bestimmte Zeitspanne sind wir dann glücklich. Beide emotionalen Zustände sind eng miteinander verknüpft, ohne Glücksmomente können wir auch nicht dauerhaft zufrieden sein. Etymologisch leitet sich der Begriff Glück von gelingen ab. Dazu passt das Zitat von Manfred Lütz, der in seinem aktuellen Bestseller „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“ schreibt: „Glück ist die Freude am Gelingen.“

 

Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 Jahren zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich. George Bernhard Shaw

 

  Neuro-Ökonomie

Was macht uns glücklich im Job?

Dass Geld nicht glücklich macht wissen wir, oder? Eine Langzeit-Untersuchung des Max-Planck-Institutes von 2011 kam zu dem Ergebnis, dass in den letzten 50 Jahren bei den Menschen in der westlichen Welt sich das Realeinkommen zwar mehr als verdoppelt hat, aber kein wesentlicher Zuwachs an Glück oder Zufriedenheit zu verzeichnen war.

Zu diesem Themenkomplex untersuchte der Psychologe und Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahnemann in der „World Database of Happiness“ die Lebenszufriedenheit in unterschiedlichen Ländern: Die höchste Lebenszufriedenheit herrschte in der Schweiz und Dänemark, die letzten Plätze erreichten Russland und die Ukraine. Deutschland lag im Mittelfeld. Was macht nun die Schweizer so glücklich und zufrieden? Hier waren wichtig: das Vertrauen der Menschen untereinander, der Anteil der Menschen, die sich in gemeinnützigen Organisationen betätigen und der Gesundheitsstatus. Einkommen und Geld spielten eine untergeordnete Rolle!

Ähnliche Resultate zeigt eine Studie, die von der Online-Jobbörse „stepstone“ mit 13 Tausend Mitarbeitern und etwa 1000 Unternehmern aus sieben Ländern durchgeführt wurde. Untersucht wurde, was Menschen am Arbeitsplatz glücklich und zufrieden macht. Etwa 55% der Befragten gaben an, an ihrem Arbeitsplatz kein oder nur ein geringes Gefühl der Zufriedenheit zu empfinden. Zugleich zeigte die Untersuchung, worauf es den Menschen im Job ankommt: Der wichtigste Faktor für die Befragten ist ein respektvoller Umgang miteinander, der zweitwichtigste Faktor eine interessante Tätigkeit, und der drittwichtigste Faktor ist ein gutes Betriebsklima. Es folgten „eine faire und offene Unternehmensstruktur“, „Anerkennung für die geleistete Arbeit“ und eine „gute Work-Life-Balance“. Geld, Gehalt, Vergütung als Voraussetzung für Zufriedenheit am Arbeitsplatz stand für die Befragten erst an 10. Stelle!

Ich persönlich habe in Hunderte von Bewerbungsgesprächen die Frage gestellt, wodurch sich ein guter Chef auszeichnet. Der Vorgesetzte, so die Antworten, sollte ein offenes Ohr für mich haben, er sollte die Mitarbeiter fair, gleich und respektvoll behandeln und seine Entscheidungen sollten transparent und nachvollziehbar sein. Ein hoher Verdienst wurde fast nie genannt!

Geld, so zeigt sich, macht uns demnach nicht glücklich. Trotzdem bleibt die Frage, warum so viele Menschen nach Geld und Reichtum streben. Was sagen die Neurobiologen? Einer der Wissenschaftler, der sich mit Neuroökonomie beschäftigt, ist Peter Brossaerts. Er sagt: „Um die Börse zu durchforsten, benutzen Menschen dieselbe neuronale Maschinerie, die sie früher benutzt haben, um in der Steppe nach Nahrung zu suchen.“ Konkret bedeutet dies folgendes: Die Aussicht auf eine Beute aktiviert in unserem Gehirn ein wichtiges Areal für unser Belohnungssystem (Nucleus accumbens). Das führt zu einer verstärkten Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin, das in uns ein Gefühl der Vorfreude auslöst und uns motiviert, „auf die Jagd zu gehen“. Wenn es um das liebe Geld geht, sind die neuronalen Muster vergleichbar. Wichtig festzuhalten ist folgendes: Nach Geld zu streben ist kein rationaler Vorgang, sondern ein höchst emotionaler. Nicht das Geld erzeugt ein Glücksgefühl, sondern die Vorfreude darauf. Ein Faktor, der Geld als Glücksbringer mindert, ist die Gewöhnung. Von daher steigern sich einige Zeitgenossen regelrecht in eine Sucht, die Gier wächst und manche – wie Goldsucher, Börsenmakler oder Spieler - riskieren Kopf und Kragen, um den Gewöhnungseffekt auszuschalten.

Zahlreiche Hirnforscher haben herausgefunden, dass Menschen, die anderen etwas Gutes tun, auch selbst ein gutes Gefühl dabei haben. Unser Gehirn ist ein soziales Organ. Wer Glück und Zufriedenheit sucht, kann sie in selbstlosem Handeln finden, das gibt dem eigenen Leben eine höhere Bedeutung, Glücksgefühle und Zufriedenheit sind die „Belohnung“. Glück ist kein „Glücksfall“, sondern eine Frage der inneren Einstellung. Geld macht nicht glücklich, aber der Glückliche hat oft mehr Geld. Wir erkennen, dass Ursache und Wirkung sich zuweilen auch umkehren können. Probieren Sie es 2016 mal aus! Wenn es nicht klappt, 2017 ist wieder eine Gelegenheit...

 

Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich. André Gide

 

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