Kommunikation bei Frauen und Männern

02.05.2018

  Wie Frauen und Männer (miteinander) kommunizieren

Frauen reden anders - Männer auch!

Frauen quasseln unaufhörlich, Männer können nicht zuhören. Frauen kommen von der Venus, Männer vom Mars ... munter dreht sich das Karussell der Deutungshoheit weiter, vor allem, wenn es um das Verhalten von Mann und Frau geht. Als „gesichertes Alltagswissen“ gilt, dass Frauen viel mehr reden als Männer. Frauen sprechen – so eine weit verbreitete Ansicht - pro Tag 26 Tausend Wörter, Männern kommen täglich nur 7 Tausend Wörter über die Lippen. Ob in Sketchen von Loriot, in seriöser Literatur oder in Beziehungskomödien, es gilt das Stereotyp von der geschwätzigen Frau und vom wortkargen Mann. In unserer Kultur ist es fest verankert. Doch wer hat das eigentlich nachgezählt und nachgeprüft? Wer glaubt, Frauen seien Quasselstrippen und Männer halten öfter mal die Klappe, ist in eine Klischeefalle getappt. Dieses Adam-Eva-Denken gehört in die Mottenkiste der Vorurteile.

Eine Studie in den USA hat lieb gewordene Fehlurteile zerstört und kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen keineswegs die größeren Plaudertaschen sind, sondern genauso viel reden, wie Männer. Beide brachten es in etwa auf 16.000 Wörter täglich. Weitere Untersuchungen haben das Ergebnis bestätigt. Natürlich gibt es Menschen, die reden wie ein Wasserfall, aber das ist nicht geschlechtsspezifisch, sondern typbedingt. 

Nicht die Menge der Wörter unterscheidet Männer von Frauen, sondern die Art der Kommunikation! Frauen und Männer haben unterschiedliche Sprach-Stile und Sprach-Muster. Männer kommunizieren anders – Frauen auch!

„Schatz, kannst Du Dich noch an den wunderbaren Cappuccino erinnern, den wir auf dem Marktplatz in Mailand genossen haben?“, fragt Frau Melzer ihren Mann. Er antwortet: „Das war in Venedig!“ Ein anderes Beispiel: „In der Hauptstraße hat ein neuer Italiener aufgemacht.“, sagt sie zu ihrem Partner, doch er versteht nicht, was gemeint ist: „Ich will heute mit Dir essen gehen!“ Sie winkt mit dem Zaunpfahl, er will mit Hammer-Fakten den Nagel auf den Kopf treffen. Zwei Welten prallen offenbar aufeinander. 

Frauen kommunizieren anders, Männer auch. Es gibt zwar kein typisches Frauen- oder Männerhirn, doch unterscheiden sich feminine und maskuline Verhaltenstendenzen mitunter stark voneinander. Während Frauen - wie die US-amerikanische Soziallinguistin Deborah Tannen untersucht hatte - mehr eine „Beziehungssprache“ bevorzugen, dient die männliche Kommunikation primär der Informationsvermittlung und ist eingebettet in eine hierarchische Ordnung. Tannen nennt das die „Berichtsprache“. Wer im Feld der „Beziehungskommunikation“ unterwegs ist, spricht eher im Konjunktiv, wägt eher ab und betont Eventualitäten. Männliche Sprachmuster zeigen Wörter, Formulierungen und Satzstrukturen, die kurz und knappgehalten sind und wenig Interpretationsspielraum lassen

 

Du kannst mich einfach nicht verstehen.Deborah Tannen

  Wie Verständnisprobleme im Joballtag vermindert werden können

Babylon im Büro

Im privaten Umfeld können wir uns weitgehend Freunde und Partner aussuchen. Im Berufsleben arbeiten wir mit Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen, zusammen, die ohne unser Zutun dort arbeiten. Wie wirken sich die Unterschiede der männlichen und weiblichen Kommunikation im Berufsleben aus? 

Dummy

Laß uns miteinander reden!

 

Ein Beispiel: Petra Müller möchte gemeinsam mit ihrem Kollegen Andreas Dahlmann ein Fortbildungsseminar besuchen. Mit den Worten „Ich hole dich dann morgen früh um acht Uhr bei dir zuhause ab“ und dem guten Gefühl, ein wahrer Gentleman zu sein, verabschiedet sich Herr Dahlmann von seiner überrumpelten Kollegin. Diese denkt verärgert: „Typisch Mann! Erkundigt sich weder, ob mir die Uhrzeit passt, noch ob ich nicht lieber selbst fahren möchte. Ganz abgesehen davon habe ich mir eigentlich geschworen, mich nie wieder in sein Auto zu setzen – er hat einen unmöglichen Fahrstil!“

Die Rede ist vom dominanzfixierten Männern, einer in den Führungsetagen immer noch vorkommenden Spezies mit Macher-Image und Basta-Allüren. Auch wenn Alpha-Männer zum Auslaufmodell zählen, es gibt sie noch, und ein Meeting ist für sie ein bevorzugtes Forum zur Selbstdarstellung. Narzissten, Wettbewerbsorientierte und Dogmatiker kämpfen um Vorherrschaft, und dem Team wird die Rolle des Zuschauers zugewiesen. Auch für viele Frauen wirkt das einschüchternd. Die Alternative jedoch ist nicht der Chef mit Strickjackengemütlichkeit und Laisser-Faire-Stil. Was im Joballtag und gerade in Meetings benötigt wird, sind männliche und weibliche Führungspersönlichkeiten, die ihre Mitarbeiter einbeziehen, die nachvollziehbare Strategien verfolgen, mutig entscheiden, und für die Folgen ihres Vorgehens einstehen. Ein Meeting ist von daher besonders geeignet, die Mitarbeiter für Ziele zu gewinnen, ihre Kompetenzen zu würdigen und die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Frauen sind zumeist weniger konkurrenzorientiert als Männer und scheuen oftmals den Wettbewerb. Sie verstärkt zu Wort kommen zu lassen, darin stecken zukunftsweisende Chancen, verborgene Talente und Ideen zu finden.

Wenn in Meetings Zahlen, Daten, Fakten das Geschehen bestimmen, wächst die Gefahr, dass Frauen argumentativ unter die Räder kommen, vor allem dann, wenn Alpha-Männer Regie führen. Gegenstrategie: Ein Moderator legt Regeln fest, dass jeder zu Wort kommt, der sich meldet, ohne dass er unterbrochen, und jeder Gedanke miteinander respektvoll diskutiert wird. Zu Beginn muss sich jeder Teilnehmer verpflichten, die Regeln einzuhalten. (Das gilt auch für das Ausschalten der Smartphones, der Einhaltung der Pausenzeiten uvm.)

Auch wenn männliche und weibliche Gehirne in jeweils anderen Bereichen stärker oder weniger stark vernetzt sind, wir außerdem das Erbe unserer Evolution in uns tragen und hormonelle Unterschiede unsere Verhaltenspräferenzen mitbestimmen, heißt das nicht, dass wir Sklaven der Biologie sind. Zusätzlich wirkt die gesellschaftliche Prägung sehr stark, aber aktuelle Forschungsergebnisse zeigen zweifelsfrei, dass es eher feminine und eher maskuline Verhaltensmuster gibt, und zwar unabhängig vom biologischen Geschlecht.  

Wie kann das Adam-Eva-Denken reduziert und eine bessere Zusammenarbeit gelingen?

Generell gelten Gefühlsäußerungen im Job als unpassend. Wer bei einem Ärgernis gleich losbrüllt oder bei einer Enttäuschung in Tränen ausbricht, steht schnell im Ruf, unprofessionel zu sein. Offenbar gelingt es Männern, die ihre Coolness-Karte ausspielen, eher, "professionell" zu wirken.

Kishor  Sridhar, deutscher Managementberater und Keynote-Speaker, hat ein Konzept entwickelt, um eine Brücke zu schlagen zwischen der maskulin geprägten „Berichtssprache“ und der eher feminin auftretenden „Beziehungssprache“.

Begegnen sich Menschen, die in diesen verschiedenen Sprachwelten zuhause sind, sollten sie in puncto Kommunikation aufeinander zugehen. Menschen mit männlichen Kommunikationspräferenzen empfiehlt der Autor, nicht den eigenen Standpunkt durchzuboxen, weniger absolute Aussagen zu verwenden und nicht jede Äußerung sofort mit einem Gegenargument zu versehen. Stattdessen sollten andere konkret um ihre Meinung gebeten, nicht überrannt, sondern mitgenommen, und mit „Wohlfühlfragen“ emotional angesprochen werden. Menschen mit femininen Kommunikationspräferenzen empfiehlt Sridhar, kürzere und klarere Sätze zu verwenden, ihre Gedanken strukturiert vorzutragen, Argumente durch Fakten zu stützen und Kritik so anzubringen, dass der Angesprochene sich in seiner Haltung nicht bedroht fühlt. Ein Modell wechselseitiger Anpassung. Beiden Kommunikationstypen empfiehlt der Autor, bevorzugt Janus-Fragen zu stellen. Janus-Fragen, abgeleitet vom römischen Gott Janus, haben zwei Gesichter, die für Beginn und Ende stehen. Einer positiven Einleitung folgt eine Frage, etwa so: „Du bist auf diesem Gebiet Experte! Der Knackpunkt des Marketings besteht ja darin, im ersten Quartal mehr als 10 Tausend Interessenten zu erreichen. Wie sehen denn hierbei die ersten Schritte aus?“

Die erforderliche gemeinsame Wellenlänge lässt sich demnach durch ein besseres Verständnis des anderen Kommunikationstypus herstellen. Es ist höchste Zeit, so Sridhar, die kommunikativen Minenfelder zwischen Frauen und Männern abzuräumen und überholte Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen

 

Es ist wichtig, die Sprache des anderen zu sprechen.Kishor Sridhar

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