Neu auf dem Chefsessel

22.09.2014

  Besetzung von Führungspositionen als Chance für das Unternehmen

Neu auf dem Chefsessel

Sie sind gerade aufgestiegen und führen eine Gruppe von Mitarbeitern? Herzlichen Glückwunsch! Oder: Man hat Ihnen in Aussicht gestellt, baldmöglichst eine Führungsposition einnehmen zu können? Prima Perspektive! Bis dahin sollten Sie, wie man anmerkt, jedoch noch einmal richtig zeigen, was in Ihnen steckt. Ihr Tatendrang steigert sich ins Unermessliche! Und Ihnen wird klar: Von innen sieht ein Hamsterrad aus wie eine Karriereleiter.

Tausende von neu geschaffenen oder vorhandenen Führungspositionen in Deutschland werden im Jahr in der Wirtschaft besetzt. Und es ist sehr erstaunlich, mit welcher Beiläufigkeit und zuweilen auch hektischen Eile in vielen Unternehmen befördert wird.

Offenbar wird zu wenig realisiert, dass die Auswahl von Führungskräften zu den wichtigsten Einflussgrößen auf die Qualität der Mitarbeiter einer Firma zählt! Denn zu den ersten Aufgaben einer Führungskraft gehört, auf die Mitarbeiter einen positiven Einfluss – im Sinne des Unternehmens – auszuüben. Charaktereigenschaften oder Grundeinstellungen eines Menschen sind kaum von außen veränderbar, obwohl natürlich jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, sich zu verändern. Doch inwieweit lassen sich Menschen durch Führung im Sinne des Unternehmens bzw. des Vorgesetzten verändern? In einer Gallup-Befragung von 80.000 amerikanischen Führungskräften heißt es ganz pragmatisch: "Verschwende nicht deine Zeit damit, etwas hineinzutun, was die Natur weggelassen hat. Versuche herauszuholen, was darin ist. Das ist schwer genug."

Die Verantwortlichen für die Besetzung einer Führungsposition sollten hierin auch eine Chance sehen, damit einen wesentlichen Einfluss im Betrieb ausüben zu können. Nicht nur, um wilde Spekulationen und Gerüchte zu vermindern, sondern vor allem, um die Zielrichtung und Prioritäten des Unternehmens zu verdeutlichen.

Apropos Spekulationen: Kein Thema beherrscht den Flurfunk einer Firma mehr wie Personalveränderungen. Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt, dass Herr X aufsteigen wird, natürlich nur, weil er in der Zeit zuvor sich als zuverlässiger Ja-Sager profiliert hat. In der Kaffeeküche wird geraunt, dass Frau Y nur deshalb aufgestiegen ist, weil sie, na ja, ihr wisst schon. Einem anderen Kandidaten wird schlichtweg jegliche Führungskompetenz abgesprochen, und eher selten wird von den Kollegen eine Positionsbesetzung begrüßt. Bei externen Bewerbern laufen die Drähte heiß und die Netzwerke werden feinmaschig aufgespannt, wer kommt, wie ist er, weshalb kommt er zu uns? Derartige Reaktionen der Belegschaft sind verständlich, doch die Grenzen zwischen Wahrheit und Spekulation verschwimmen, Missgunst und allgemeine Frustration gesellen sich hinzu. Oft behalten die Schwarzseher und Miesmacher die Oberhand. Mit einer zeitnahen und offenen Kommunikation können die Verantwortlichen für mehr Transparenz und Klarheit sorgen.

Bitte nehmen Sie Platz!

Die Besetzung von Führungspositionen ist wahrscheinlich das wirksamste Signal eines Unternehmens (Winfried Berner). Wenn in einer Firma, in der eine Umstrukturierung angekündigt wird, ein externer Kandidat die Stelle erhält, der im Markt bereits den zweifelhaften Ruf als "skrupelloser Stellenvernichter" genießt, setzt das ein klares Zeichen. Wenn in einem Unternehmen Produkte zugekauft werden, um den Marktanteil zu vergrößern, und die hierfür erforderlichen Führungspositionen intern besetzt werden, so ist auch dies ein deutliches Signal.

Nicht zuletzt ist die Besetzung einer Führungsposition auch wirtschaftlich äußerst bedeutsam. Wenn ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter nicht gemäß ihrer Fähigkeiten einsetzt oder durch inkompetente Führung Fehlzeiten und Fluktuation in die Höhe treibt, die Mitarbeiter mit Kontrollwahn demoralisiert oder als Sozialphobiker schlichtweg missachtet, so richtet er auch ökonomisch einen erheblichen Schaden an.

 

Sahne steigt überall nach oben. Sorbisches Sprichwort

 

  Guter Start in die neue Position

So kann die Karriere gelingen

Nicht wenige ambitionierte Mitarbeiter glauben, es genüge, exzellente Arbeit abzuliefern, das müsste der Vorgesetzte doch sehen. Wer mit der Dynamik einer Wanderdüne agiert, wird kaum wahr genommen. Wer Karriere machen will, sollte nach dem Feuerwehrprinzip vorgehen (Martin Wehrle): Alarmglocke läuten und signalisieren, dass man mit den Hufen scharrt. So steigen die Chancen.

Und wer dann erstmals eine Führungsposition übernimmt, auf den warten – wie es so schön heißt - zahlreiche Herausforderungen: Personalverantwortung, Prozesse und Strukturen, Rituale und ungeschriebene Gesetze beachten, Konfliktmanagement, Akzeptanz der Mitarbeiter gewinnen, der Skeptiker im Team, Ziellandschaft entwickeln, und die Kernfrage lautet: Wie entwickle ich aus der Fülle der Themen und Probleme ein schlüssiges Konzept für den Führungswechsel?

Viele neue Vorgesetzte starten mit Elan in die neue Aufgabe und stürzen sich auf jedes Problem, das ihnen angeboten wird. Vorsicht! Damit gerät man schnell in Schwierigkeiten. Erst orientieren, dann handeln. Welche Erwartungen haben die Mitarbeiter, Kollegen, der Vorgesetzte von mir? Wie kann ich erfolgreich Schlüsselbeziehungen entwickeln? Welche Themen müssen zuerst angepackt werden, welche können warten? Jede Führungskraft muss zuallererst eines können: Zuhören! Für den Anfänger ist Zuhören können zwingend erforderlich.

Gestern Kollege, heute Vorgesetzter? Dieser Rollenwechsel gelingt nur mit der nötigen Distanz zu den Mitarbeitern. Der Vorgesetzte ist kein Kumpel, und ein vorschnelles Duzen kann eine Nähe vortäuschen, die sich wie Gift in den Führungsalltag frisst. Stattdessen sollte der Chef klar signalisieren, welche Grenzen für Vertraulichkeit existieren. Ohnehin ist die Vertrauensbasis der Grundstein für den Erfolg. Haben die Mitarbeiter Vertrauen gefasst, wird der neue Chef eher akzeptiert, was nicht bedeutet, der gleichen Meinung zu sein. Taten statt Worte: Vertrauen entsteht durch Handlungen, nicht durch noch so wohl klingende Absichtserklärungen und Bekundungen!

Eine neue Führungsposition stellt immer eine steile Lernkurve dar und viel zu häufig gerät man in die Gefahr, aus der Kurve zu fliegen. Für Fortbildungen, Vorbereitungen und Planungen bleibt oft zu wenig Zeit. Insofern greifen immer mehr Unternehmen dazu, dem neuen Chef in der Startphase einen Personalcoach zur Seite zu stellen. Hier bietet sich die Möglichkeit, gezielt und bedarfsorientiert Wünsche, Intentionen und Ziele des neuen Chefs gemeinsam zu erarbeiten, um einen wirklich guten Start anzubahnen.

 

Es gibt zwei Wege für den Aufstieg: entweder man passt sich an oder man legt sich quer. Konrad Adenauer

 

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