Tragfähige Entscheidungen

08.01.2017

  Kopf oder Bauch?

So treffen Sie tragfähige Entscheidungen!

Täglich treffen wir bis zu 20.000 Entscheidungen. Der eine entscheidet aus rein rationalen Gründen, der andere „hört“ auf seinen Bauch, ein dritter wirft eine Münze. Die meisten Entscheidungen fällen wir unbewusst. Und das ist vorteilhaft, weil es Energie spart und wir uns auf andere Vorgänge konzentrieren können. Stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes Mal genau überlegen, wie Sie Ihr Auto bewegen? Sie kämen nicht aus der Garage. Vieles ist eingeübt, der Autopilot im Gehirn sorgt für automatische Abläufe. Entscheidungen zu treffen zählt nach Ansicht des St. Galler Managementexperten Fredmund Malik zu den wichtigsten Kernkompetenzen des Managements.

In vielen Unternehmen werden täglich hunderte, vielleicht tausende von Entscheidungen getroffen, die einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Produkte und Dienstleistungen haben. Und bei jeder Entscheidung stellt sich erst später heraus, ob sie richtig oder falsch war. Je folgenschwerer eine Entscheidung ist, desto schwieriger fällt es, sich zu entscheiden: den Bewerber einstellen oder nicht? Eine unwirtschaftliche Abteilung weiter arbeiten lassen oder die Aufgaben woanders ansiedeln? Die Agentur x oder y beauftragen?

Erfahrene Manager können aus einem gut gefüllten „emotionalen Erfahrungsgedächtnis“ schöpfen, einem Erlebnisspeicher, der die individuellen Erfahrungen ein Leben lang aufbewahrt und bei vergleichbaren Ereignissen „Stop“ oder „Go“ signalisiert. Young Professionals haben aufgrund fehlender Praxis kaum eine andere Wahl, als sich „aus dem Bauch heraus“ zu entscheiden. Müssen Entscheidungen getroffen werden, bleibt oft nur wenig Zeit für umfassende Recherchen.

Die Arbeitswelt ist in den letzten Jahren schneller und unübersichtlicher, aber auch komplexer geworden, wodurch die Entscheidungsfähigkeit vermindert wird. Denn sowohl ein Überangebot an Möglichkeiten, als auch eine dürftige Faktenlage bremsen die Entscheidungsfreude. Der eine will mit klarem Verstand und vielleicht mit einer Pro-und-kontra-Liste entscheiden, das kostet Zeit und gesteigerte Aufmerksamkeit. Der andere entscheidet intuitiv, also gefühlsgesteuert. Es gibt keine Entscheidung ohne die Beteiligung von Emotionen. Insofern ist auch die Vernunft keineswegs frei von Gefühlen. Die Ratio arbeitet langsam, aber relativ genau, Emotionen treten blitzschnell auf, sind mitunter aber ungenau.

 

Wer handelt, kann viel erreichen. Wer nicht handelt, handelt sich etwas ein. Martin Wehrle

 

  Entscheidungstypen

Schnellentscheider, Selbstausbeuter oder Zauderer?

Wie können Profis auch unter hohem Druck richtig entscheiden? Hierfür sollte man wissen, zu welchem Entscheidungstyp man gehört. Die Diplompsychologin Maja Storch unterscheidet vier Entscheidungstypen: Der Ausgeglichene, der Selbstausbeuter, der Schnellentscheider und der Zerrissene.

Dummy

Klug entscheiden!

Der Ausgeglichene trifft auf Basis seiner Erfahrungen Entscheidungen, bei denen Kopf und Bauch in einem ausbalancierten Verhältnis stehen. Sollte eine Entscheidung Unbehagen verursachen, sucht er so lange nach dem Grund, bis beide Kategorien in Einklang stehen.

Der Selbstausbeuter entscheidet aus rein rationalen Erwägungen, seine Gefühle werden unterdrückt oder nicht wahrgenommen. Er ist leistungsorientiert, arbeitet bis zur Erschöpfung und tut sich schwer, Aufgaben zu delegieren. Wer zu diesem Entscheidungstyp gehört, kann durch ein geeignete Übungen lernen, seine Emotionen wieder wahrzunehmen.

Der Schnellentscheider entscheidet spontan und „aus dem Bauch heraus“. Er ist oftmals impulsiv, schnell begeistert und ungeduldig. Dieser Entscheidungstyp kann seine Distanz zur Entscheidung vergrößern, indem er die Meinung anderer berücksichtigt und so Zugang zu rationalen Argumenten findet.

Der Zerrissene ist zwar bemüht, Verstand und Intuition zu koordinieren, er traut seinen eigenen Gefühlen allerdings nicht. Senden Bauch und Kopf unterschiedliche Signale, ist er innerlich in einem Zwiespalt und trifft mitunter Fehlentscheidungen. Um sein Bauchgefühl stärker zu berücksichtigen, sollte dieser Entscheidungstyp mit Hilfe des Feed-Backs durch Andere seine letzten Entscheidungen analysieren und bewerten.

Diese Liste der Entscheidungstypen ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Viele kennen ja auch den Zauderer, der stets durch ein „Ja, aber ...“ auffällt, oder den Harmoniesüchtigen, dessen Entscheidungen sich danach richten, es allen recht zu machen. Und dann gibt es ja noch den Perfektionisten, der Sklave seiner eigenen hohen Erwartungen ist und der sich erst dann entscheiden kann, wenn alles perfekt recherchiert ist. Wer sich erst dann entscheiden kann, wenn jeder Fehler ausgeschlossen scheint, überlässt das Feld anderen.

Kann man Entscheidungsmanagement trainieren? Ja! Und einen ersten Schritt können Sie schon heute tun: Nehmen Sie sich Zeit für Entscheidungen und reduzieren Sie die Komplexität. Je weniger Sie am Tag entscheiden desto wertvoller werden Ihre Entscheidungen sein. Entscheidungen vor sich her schieben, ist kein sinnvoller Weg. „Die schlimmste Entscheidung ist Unentschlossenheit“, betonte Benjamin Franklin.

 

Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als ständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird. Charles de Gaulle

 

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