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Neurobiologie

Prognosemaschine

In den aktuellen Coronazeiten würden viele Menschen verständlicherweise gerne wissen, was die Zukunft bringt. Wann ist das Virus überwunden, welche Auswirkungen hat die Pandemie auf unsere Wirtschaft, wie entwickelt sich meine persönliche Lage? Einen gesicherten Blick in die Zukunft zu tun, das ist ein Menschheitstraum seit ewigen Zeiten. Doch das bleibt ein Traum. Wir haben keine Kristallkugel im Kopf und ein Besuch bei einem Wahrsager ist so erfolgreich wie der Versuch, mit einer Luftpumpe die Windrichtung zu verändern.

Vergessen

Wir vergessen Geburtstage, verlegen Schlüssel und erinnern uns nicht mehr, wo wir das Auto geparkt haben. Wir treffen einen alten Bekannten und der Name fällt uns partout nicht ein... Wissen Sie, wie viele Menschen auf dem Spielstraßenschild abgebildet sind oder wie ein 10-Cent-Stück auf der Rückseite aussieht? Keine Sorge: Sie haben nichts vergessen, sondern können sich nur nicht erinnern – das ist ein Unterschied.

Das Vergessen wird häufig als Schwäche oder Fehlfunktion des Gedächtnisses begriffen. Wie oft haben wir uns dabei ertappt, sich an etwas nicht zu erinnern zu können: Adressen, Gesichter, Fakten. Wir sprechen dann davon, dass unser Gedächtnis löchrig wie ein Sieb ist oder verweisen gleich auf den „Morbus“, gemeint „Morbus Alzheimer“, wie war doch noch dessen Vorname ...?

Schweinehund

In meinen Seminaren und Workshops erlebe ich immer wieder Klagen darüber, dass Vorhaben, die in Meetings oder in Personalgesprächen vereinbart wurden, gescheitert sind. Das kann mehrere Gründe haben: unrealistische Ziele, veränderte Rahmenbedingungen, Zieldiktat statt Ziel -„Vereinbarung“ ... Häufig handelt es sich hier aber auch um den sogenannten „Inneren Schweinehund“, der danach trachtet, Vorhaben zu sabotieren.

Er meldet sich, wenn sich etwas ändern soll: Keller aufräumen? Heute nicht! Mit dem Fahrrad zur Arbeit? Morgen ist auch noch ein Tag! Lampe reparieren? Der Krimi bringt mehr Spaß! Veränderungen sind dem inneren Schweinehund ein Gräuel, besonders gerne torpediert er gute Vorsätze, wie jene zum Jahreswechsel, und gibt erst dann Ruhe, wenn der gewohnte Zustand wiederhergestellt ist. Faulheit statt Fitness, Döner statt Diät, Spielen statt Sport.

Das Gehirn liebt Bilder und Geschichten

An einem Montag, 14 Uhr, Zeit für das wöchentliche Abteilungsmeeting. Normalerweise stellt sich nach dem Mittagessen das Suppenkoma ein, doch heute ist es überraschend anders. Ein Kollege referiert. Er beginnt seinen Vortrag mit einer persönlich erlebten Geschichte. Die Teilnehmer blicken gebannt nach vorne und folgen aufmerksam den Ausführungen des Redners. Nur wenige Folien werden gezeigt, sie sind wirkungsvoll bebildert und unterstützen das gesprochene Wort. Mit Blickkontakt und persönlicher Ansprache stellt der Referent Nähe zum Publikum her und es gelingt ihm, Emotionen zu wecken und die Zuhörer zu begeistern.

Präsentationen zählen zum alltäglichen Handwerk von Managern, Trainern und Beratern. Sie sind für jedes Unternehmen ein Schlüssel-Faktor für die interne und nach außen gerichtete Kommunikation. Mit Präsentationen werden Zusammenarbeit, Unternehmensführung und Marktkontakte gesteuert! Im Berufsalltag jedoch erleben wir häufig nur hirnrissige Magerkost, die kaum geeignet ist, etwas nachhaltig zu bewirken.

Ideenmanagement

Am Abend des 14. April 1912 kollidierte die Titanic im Nordatlantik mit einem Eisberg. Von den 2200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern überlebten nur 705.

Was wäre, wenn die Schiffsmannschaft den Eisberg nicht nur als Ursache der Katastrophe, sondern auch als deren Lösung verstanden hätte, um Leben zu retten? Auf einer Breite von 120 Metern ragte der Eisberg aus dem Wasser. Die Rettungsboote hätten nach einer Stelle suchen können, um dort Menschen abzusetzen. Natürlich kann niemand sagen, ob diese Alternative geglückt wäre. Die Vorstellung jedoch besitzt einen gewissen Reiz. Warum ist niemand auf diese Idee gekommen ...

Bauch oder Kopf?

Tablet oder LapTop? Bahn oder Auto? Überholen oder abbremsen? Tagein, tagaus treffen wir Entscheidungen, von früh bis spät und das immer. Und häufig treffen wir eine Wahl „aus dem Bauch heraus“, was zunächst gegen jede Vernunft zu sprechen scheint.

Dass der Bauch dieses und der Kopf aber jenes will, hat in unserer Alltagssprache mittlerweile einen wichtigen Platz erobert. Jeder Zwiespalt und jede unsichere Entscheidung kann ein Gefühl vermitteln, dass Bauch und Kopf gegeneinander antreten.

Glück und Zufriedenheit

Gute Vorsätze gehören zum alljährlichen Silvesterritual: mehr bewegen, abnehmen, mehr „quality time“ mit den Kindern, weniger arbeiten, gesünder essen. Selten sind Entdeckerfreude, Gestaltungslust und Änderungsbereitschaft so ausgeprägt wie zu Jahresbeginn. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, dichtete Hermann Hesse. Doch diese Zeile ist durch maßlose Überbeanspruchung zum Klischee verdampft. Überhaupt werden Vorsätze selten gehalten, die Liste der verpassten Chancen wird immer länger und bei vielen wachsen die Zweifel an der Selbstkasteiung. Kurze Zeit später ist alles wie zuvor: Für die Fitness bleibt kaum Zeit, das Übergewicht will nicht schmelzen, die Kinder sieht man nur noch schlafend und die Überstunden nehmen zu. Wohl zu keiner anderen Jahreszeit gehört das Scheitern zur weit verbreiteten Kollektiverfahrung wie im Januar ...

Was denkt sich eigentlich unser Gehirn?

Es ist durchschnittlich 1,4 kg schwer, macht 2% der Körpermasse aus, benötigt aber 20% der Energie und besteht vorwiegend aus Wasser, Eiweiß und Fett. 170 000 km Nervenfasern sind über 10 hoch 14 Synapsen miteinander verknüpft, und es wird aus etwa 84 Milliarden Neuronen gebildet. In jeder Sekunde kann es einen Terabyte Daten verarbeiten, die über unsere fünf Sinne in uns gelangen. Das menschliche Gehirn ist derzeit im Fokus des Interesses. Und wenn man die Zeichen der Zeit richtig deutet, hat sich die Gehirnforschung mittlerweile zu einer Leitwissenschaft entwickelt!